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40% der Infektionen können
durch bessere Händehygiene
vermieden werden.

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60% mehr Händedesinfektionen

Die Auswertung der aktuellen Kundendaten zeigt eine hohe ...

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Goldstandard in Frage gestellt?

Die Compliance bei der Händehygiene ist, trotz zahlreicher Maßnahmen wie z.B. der Aktion Saubere Hände, in der Praxis häufig nicht ausreichend. Beispielsweise liegt die Anzahl der Indikationen für die Händehygiene in Intensivstationen häufig bei weit über 150 Indikationen pro Patiententag. Der Durchschnitt der am System HAND-KISS teilnehmenden Krankenhäusern erreichte aber 2016 lediglich ca. 41 Händedesinfektionen je Patiententag.

Zur Messung der Compliance in einer bestimmten Station wird bislang eine direkte Beobachtung als der „Goldstandard“ angesehen. Bei dieser Methode beobachtet ein in den Indikationen für die Händehygiene geschulter Experte die Indikationen bei der Tätigkeit des Krankenhauspersonals sowie die tatsächlich durchgeführten Händedesinfektionen und zeichnet die Beobachtungen per App oder per Liste auf.

Neuere Untersuchungen stellen die Genauigkeit dieser bislang als „Goldstandard“ zur Compliance-Messung angesehenem Methode allerdings deutlich in Frage.

  • In einer Untersuchung werden die Ergebnisse einer mit internen Beobachtern regelmäßig durchgeführten Compliance-Messung mit den Ergebnissen einer Compliance-Messung durch externe, unabhängige Experten verglichen. Die jeweils ermittelten Compliance-Raten lagen mit rund 90% versus rund 55% noch nicht einmal in einer vergleichbaren Größenordnung.
  • Der Hawthorne-Effekt beschreibt die Tatsache, dass Individuen unter Beobachtung ihr Verhalten ändern. Die Höhe des Hawthorne-Effekts wird in verschiedenen Studien mit 200-300% beziffert. Auch in dieser Sichtweise liegen also Größenordnungen zwischen einer tatsächlich genauen Erfassung und dem als Goldstandard betitelten Vorgehen.
  • Es wird argumentiert, dass trotz des Hawthorne-Effekts Veränderungen in der Compliance gut beobachtet werden können, da eine Verbesserung der Compliance unter direkter Beobachtung bei konstantem Hawthorne-Effekt auch auf eine Verbesserung der tatsächlichen Compliance ohne Beobachtung schließen ließe. Diese Argumentation ist allerdings schwach: Es ist plausibel anzunehmen, dass der Hawthorne-Effekt je nach Beobachter und Beobachtetem schwankt, und direkte Beobachtungen werden in der Praxis selten von identischen Beobachtern und Beobachteten im Zeitablauf wiederholt – und selbst dies hätte mutmaßliche Zusatzeffekte, etwa durch Gewöhnung. Ein streng blickender, intern angesehener Hygieneexperte wird bei vielen Beobachteten einen deutlich anderen Effekt auf die Compliance haben als eine für den Zweck der Beobachtung herangeholte externe Hilfskraft. Die spezielle Identität der Beobachteten spielt sicher ebenfalls eine Rolle – ein Teil wird sich unter Beobachtung besondere Mühe geben, andere werden sich wesentlich weniger beeinflussen lassen. Bei einer späteren Wiederholung der Compliance-Beobachtung ist die Zusammensetzung der Gruppe der Beobachteten aus stark und wenig beeinflussbaren Personen höchstwahrscheinlich anders.
  • In einer weiteren Arbeit wird eine Erfassung der Compliance durch einen oder mehrere verdeckte Beobachter im Vergleich zu einer kameragestützten Erfassung beschrieben. Die Beobachter sind als normale Krankenhausbesucher getarnt, um den Hawthorne-Effekt zu vermeiden. Aufgrund der natürlichen Begrenzung der Beobachtungsfähigkeit der verdeckten Beobachter wird die Genauigkeit der direkten, verdeckten Beobachtung trotz des hohen Aufwands mit maximal 75% angegeben.
  • Als weiterer Ausweg wird eine lange Beobachtungszeit angegeben. Jedoch garantiert auch eine lange Beobachtungszeit von z.B. 160 Stunden keine angemessen genaue Messung der Compliance. Die Compliance schwankt z.B. stark je nach Arbeitsanfall. Eine geringe gemessene Compliance im Beobachtungszeitraum kann darauf zurückzuführen sein, dass die Beobachtung in besonders arbeitsintensiven Phasen oder bei Mitarbeitern mit besonders hoher Arbeitslast stattfand und nicht repräsentativ für die gewöhnliche Compliance sein.

Während unklar ist, wie hoch die Ungenauigkeit bei der Messung der Compliance durch direkte Beobachtung genau ist, wird auf jeden Fall deutlich, dass die Unsicherheitsfaktoren extrem groß sind. Dies sollte bei Aussagen über die Compliance und deren Veränderung stets berücksichtigt werden, wenn diese durch direkte Beobachtung ermittelt wurden.

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